Fotografie Grundlagen – Die Blende

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Was ist die Blende?

In der Fotografie ist die Blende einer der 3 Eckpfeiler für jedes Foto. Aber was genau ist die Blende eigentlich?

 

Die Blende ist ein Mechanismus aus mehreren sogenannten Lamellen, der sich im Objektiv befindet. Je nach Einstellung der Blende öffnen bzw. schließen sich diese Lamellen und bilden ein kreisförmiges Loch. Durch dieses Loch, auch Blendenöffnung genannt, fällt dann das Licht auf den Sensor der Kamera, welches im Endeffekt unser Bild ergibt.

Damit haben wir auch schon den ersten und wichtigsten Punkt gelernt. Die Blende steuert, wie viel Licht wir auf den Sensor lassen und dementsprechend wie hell bzw. dunkel unser Bild letztendlich wird.

 

Blendenwert, Blendenöffnung & Blendenreihe

Die Blendenöffnung wird mit dem Blendenwert f/X.X angezeigt. Du hast sicher schon mal irgendwo gelesen f/2.8 oder f/4.0 usw.
Das f/ steht für Blende und die Zahl dahinter beschreibt die Blendenöffnung. Und jetzt wird es etwas verwirrend, zumindest war das für mich damals so.

Je kleiner die Zahl, desto größer ist die Blendenöffnung. Je größer die Blendenöffnung, umso mehr Licht kommt auf den Sensor und unser Bild wird dementsprechend heller.

Kleines Beispiel: f/2.8 > als f/4.0
Bei Blende f/2.8 ist die Blendenöffnung größer, sprich es fällt einfach mehr Licht auf den Sensor und das Bild wird heller als bei f/4.0
Schauen wir uns die Blendenreihe doch einfach mal gemeinsam an.

f/

1,4

2

2.8

4

5.6

8

11

16

22

32

Blendenreihe mit ganzen/vollen Blendenwerten

Diese Werte sind sogenannte ganze Blenden oder auch volle Blendenwerte. Jede Blende aus dieser Reihe bedeutet eine Verdoppelung bzw. Halbierung des Lichtes.

Kleines Beispiel:

Wir machen ein Foto mit Blende f/5.6. Wenn wir nun auf Blende f/4 wechseln, wird das Bild doppelt so hell. Und auf Blende f/8 erhalten wir dementsprechend ein halb so helles Bild.
Wir erinnern uns, ein kleiner Blendenwert (f/1.4) bedeutet eine große Blendenöffnung und dementsprechend mehr Licht.
Ein großer Blendenwert (f/32) entspricht einer kleinen Blendenöffnung und folglich weniger Licht.

Es wird Zeit das wir uns das Ganze mal etwas verbildlichen.

Blendenwerte & Blendenöffnung auf einen Blick

 

Auf diesem Bild sieht man sehr deutlich wie sich der Blendenwert auf die Blendenöffnung auswirkt.

Die Blendenwerte werden in Drittelschritten geregelt. Die dick geschriebenen Blendenwerte sind jeweils ein voller Blendenwert.
Wenn wir also zum Beispiel auf Blende f/1.4 sind und möchten das Bild eine Blende dunkler haben, müssen wir auf den Blendenwert f/2.0 umstellen.

 

Zurück zur Blendenreihe!

Die Blendenreihe, die ich dir gerade gezeigt habe, ist nicht komplett. Wie schon gesagt, handelt es sich dabei „nur“ um die ganzen/vollen Blendenwerte. Die Blendenreihe wird jedoch in Drittelschritten aufgeteilt. Das bedeutet, das nach jeder ganzen/vollen Blende zwei Zwischenschritte kommen, bevor du den nächsten vollen Blendenwert erreichst.

f/

1,4

1,6

1,8

2

2,2

2,5

2,8

3,2

3,5

4

4,5

5

5,6

6,3

f/

7,1

8

9

10

11

13

14

16

18

20

22

25

29

32

Blendenreihe mit ganzen/vollen Blendenwerten und den Zwischenschritten in Dritteln.

Hier siehst du nun eine komplette Blendenreihe mit vollen/ganzen Blendenwerten und den Zwischenblenden in Drittelschritten. Die vollen Blendenwerte kennst du ja bereits. Jetzt kannst du dir die Drittelschritte anschauen. Wenn du in deiner Kamera auf f/5.6 bist und dann auf f/8 möchtest sind das genau 3 Schritte: f/5.6 -> f/6.3 -> f/7.1 -> f/8.

 

Lichtstärke

Hast du schon mal den Begriff „lichtstarkes Objektiv“ gehört oder gelesen und dich gefragt, was das genau bedeutet? Hier kommt die Erklärung!

Nicht jedes Objektiv bietet auch jeden Blendenwert an. Es gibt Objektive mit einer maximalen Offenblende f/1.4 was ein sehr lichtstarkes Objektiv wäre. Es gibt aber auch Objektive mit einer maximalen Offenblende f/5.6, was eher nicht so lichtstark wäre. Als lichtstark bezeichnet man also Objektive mit einer sehr großen Blendenöffnung, sehr kleiner Blendenwert (f/1.4)

Welche maximale Offenblende dein Objektiv anbietet, bzw. wie lichtstark dein Objekt ist, steht in der Regel direkt auf dem jeweiligen Objektiv.

Nehmen wir mal ein 50mm f/1.8 Objektiv. Hierbei handelt es sich um eine Festbrennweite, aber das sei nur nebenbei erwähnt. Am Rand des Objektives steht dann sowas wie 1:1.8. Das bedeutet nichts anderes, als das du eine maximale Blendenöffnung von f/1.8 hast. Das wäre ein lichtstarkes Objektiv.

Die meisten Einsteigerkameras werden von Haus aus mit einem sogenannten Kit Objektiv ausgeliefert. Oft ist es das 18-55mm 1:3.55.6. Keine Sorge, das sieht komplizierter aus als es ist.

1:3.5 – 5.6 bedeutet, das hier bei 18mm die maximale Blendenöffnung f/3.5 ist. Der zweite Blendenwert, hier f/5.6 bezieht sich auf hingegen auf die maximale Blendenöffnung bei 55mm. Da es sich hierbei um ein Zoom Objektiv handelt, kann es vorkommen, dass die maximale Offenblende, sprich die Lichtstärke sich je nach gewählter Brennweite verändert. In der Regel nimmt die Lichtstärke ab, je mehr man in den Tele Bereich geht. Doch das Thema Brennweite soll heute nicht unser Thema sein.

Es gibt auch Zoom Objektive mit einer durchgehend gleichbleibenden maximalen Offenblende. Zum Beispiel das 70-200mm 1:2.8. Hier spielt es keine Rolle welche Brennweite du wählst, die maximale offenblende bleibt durchgehend bei f/2.8

Lichtstarke Objektive sind in der Regel etwas teurer als die lichtschwächeren Objektive. Aber das kann man so pauschal auch nicht sagen, da ein Objektiv sich nicht nur durch die maximale Offenblende unterscheidet. Da spielen noch weiter Faktoren eine Rolle, die den Preis des jeweiligen Objektives merklich mitbestimmen. Dies sollte aber nur eine Randnotiz sein für dich. Heute soll es nur um die Blende gehen.

 

Schärfentiefe

So, jetzt hast du schon eine Menge gelernt und weißt, was eine Blende ist und wie sie funktioniert. Es gibt aber noch einen weiteren Punkt, den die Blende neben der Lichtmenge regelt. Und zwar die Schärfentiefe!

Wenn du dich jetzt fragst: „Schärfentiefe? Was ist das denn jetzt?“ kann ich dich gleich beruhigen. Keine Sorge, es ist einfacher als du denkst.

Die Schärfentiefe ist der Bereich im Bild der scharf dargestellt wird. Dabei musst du dir dein Bild nicht als flaches Bild vorstellen wie eine Fläche, sondern wie einen Raum, sprich wie du dein Motiv auch in der Realität siehst. Nehmen wir an, du möchtest eine Person draußen im Park fotografieren. Ihr stellt euch irgendwo hin wo es gerade passt und du nimmst deine Kamera und löst aus. Jetzt hast du ein Bild von einer Person gemacht. Toll! Nun schau dir den Hintergrund an. Was befindet sich hinter der Person? Direkt hinter ihr und/oder auch in weiter Ferne. Sind dort vielleicht Bäume? Ein See? Eine Mauer? Egal was es ist, die Schärfentiefe beschreibt wie tief die Schärfe, der Schärfebreich in deinem Bild ist.
Du hast jetzt die Person fotografiert und dabei eine Blende f/16 gewählt. Das ist zwar für Portraits im Freien eher unüblich, aber das soll jetzt erstmal keine Rolle spielen. Hinter der Person ist eine Mauer. Diese Mauer wirst du jetzt wohl sehr deutlich auf dem Bild erkennen und die Mauer wird auch scharf sein auf deinem Bild.

Jetzt machst du das selbe Bilde noch mal aber mit einer Blende f/1.4. Jetzt wird die Mauer immer noch da sein aber man wird sie nicht mehr so stark als solche wahrnehmen. Die Mauer wird nicht mehr scharf sein, sondern eher verschwommen. Die Strukturen der Mauer gehen verloren und es bleiben hauptsächlich die Farbwerte als verschwommener Hintergrund. Das sogenannte Bokeh.
Die Person, die du fotografiert hast, bleibt weiterhin scharf und hebt sich nun noch zusätzlich durch die Schärfentiefe vom Hintergrund ab. Das nennt man Freistellen.

Blendenreihe und Schärfentiefe auf einen Blick

 

 

In der Portraitfotografie nutzt man deshalb eher eine offene Blende, sprich einen kleinen Blendenwert mit großer Blendenöffnung (f/1.4). Dadurch bekommt man ein weiches Bokeh (verschwommenen Hintergrund) und die Person wird toll freigestellt und hebt sich vom Hintergrund ab. Das Bild wirkt dementsprechend tiefer und nicht so flach.

f/1.8, 1/500 s, ISO 100

 

Bei der Landschaftsfotografie ist das etwas anders. Dort möchte man in der Regel die komplette Landschaft scharf auf seinem Bild haben und keinen verschwommenen Hintergrund, kein weiches Bokeh. Dafür wählt man dann eine geschlossenere Blende, sprich einen großen Blendenwert mit kleiner Blendenöffnung (f/16).

17mm, f/8.0, 6s, ISO 100

 

Kleiner Tipp: Durch eine geschlossene Blende (f/16) bekommst du übrigens auch die Lichter einer Laterne, oder die Sonne zu einem Stern.

18mm, f/11, 20s, ISO 100

 

So, jetzt hast du schon eine ganze Menge gelernt zum Thema Blende. Du kannst stolz auf dich sein. Und damit du den Überblick nicht verlierst hier noch mal zusammen gefasst was du heute gelernt hast.

  • die Blende ist im Objektiv
  • die Blende regelt die Lichtmenge (heller/dunkler)
  • die Blende regelt die Schärfentiefe
  • kleiner Blendenwert = große blendenöffnung (f/1.4)
  • großer Blendenwert = kleine blendenöffnung (f/16)
  • Offenblende = geringe Schärfentiefe, weiches Bokeh, eher für Portraits (f/1.4)
  • geschlossene Blende = größere Schärfentiefe, eher für Landschaftsbilder (f/16)
  • Lichstärke = maximale Offenblende
  • die maximale Offenblende steht auf dem Objektiv
  • die Blende wird mit f/ angegeben und die Zahl bezeichnet den Blendenwert. (f/4.0)
  • die Blendenreihe wird in Drittelschritte geteilt
  • der nächste/vorige volle/ganze Blendenwert halbiert/verdoppelt/ die Lichtmenge, das Bild wird doppelt so dunkel/hell
  • mit einer geschlossenen Blende kannst du Lichtquellen (Straßenlaternen, Kerzen, Sonne) zu Sternen formen

 

So weit, so gut. Ich hoffe du hast alles verstanden und konntest einiges lernen. Sollte dir noch irgend etwas unklar sein oder du sonst noch Fragen hast, kannst du sie gerne hier in die Kommentare schreiben. Ich habe auch eine Facebookgruppe für die Grundlagen der Fotografie. Dort kannst du ebenfalls deine Fragen stellen. Ich und auch die anderen Mitglieder der Gruppe stehen dir dort ebenfalls zur Seite.

Hier geht es zur Facebook Gruppe FOTOGRAFIE GRUNDLAGEN – Anfänger & Fortgeschrittene

Und falls du dich auch für die Bildbearbeitung interessierst habe ich hier noch eine weitere Facebook Gruppe für dich: DIGITALE BILDBEARBEITUNG – Anfänger & Fortgeschrittene

 

P.S.: Mein besonderer Dank geht an dieser Stelle an meinen guten und hilfsbereiten Fotofreund Mario Diener für das Korrekturlesen dieses Artikels. Vielen Dank mein Bester!

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