Feuerwerk fotografieren an Silvester

with 16 Kommentare

Feuerwerk fotografieren an Silvester

Jedes Jahr im Dezember, spätestens wenn Weihnachten vorbei ist, kommt die gleiche Frage auf. Wie fotografiere ich das Feuerwerk an Silvester? Auch ich habe mir diese Frage gestellt und festgestellt das es kein Geheimnis gibt wie man Feuerwerk fotografiert. Dennoch sind einige Punkte zu beachten ohne die es zwar auch Bilder gibt aber man meistens nicht unbedingt so zufrieden mit den Ergebnissen ist. Deshalb möchte ich hier mal eine kleine Hilfestellung geben was das Fotografieren von Feuerwerk an Silvester angeht. Alles was ich hier jetzt Schreibe ist eine Mischung aus meinen eigenen Erfahrungen und Recherchen. Wie fast überall im Leben führen viele Wege nach Rom und mein Weg ist nicht der einzige. Vielleicht sogar nicht unbedingt der Beste. Doch das muss jeder für sich selbst entscheiden.  Also, fangen wir an!

 

Die Ausrüstung

Die Kamera:

Im Grunde genommen kann man mit fast jeder digitalen Kamera, ja sogar mit dem Smartphone, brauchbare Bilder von Feuerwerk machen. Die Frage ist eben was ist ein „brauchbares“ Ergebnis und wo setzte ich mir selbst die Messlatte. Da ich selbst mit einer Spiegelreflex Kamera arbeite kann ich diese auch Empfehlen. Aber im Grunde kann jeder mit dem was er hat raus gehen und fotografieren. Im Idealfall aber sollte deine Kamera folgende Dinge unterstützen:

  • Manuellen Modus
  • manuelle Fokussierung
  • manuelle Einstellung der Blende
  • manuelle Einstellung des ISO-Wertes
  • manuelle Einstellung der Verschlusszeit (am besten mit BULB Funktion)
  • manuelle Einstellung der Blende
  • Selbstauslöser Funktion mit voreingestellter Zeitwahl (ca 2 Sekunden)
  • Spiegelvorauslösung oder wahlweise Liveview Modus

Falls du eine Kamera hast die diese Dinge nicht manuell einstellen lässt dann schau mal ob deine Kamera eine Programmautomatik für das Fotografieren von Feuerwerk oder Nachtaufnahmen bietet.

 

Das Objektiv:

Zur Wahl des richtigen Objektives kann man Unmengen sagen und Stundenlange diskutieren. Das eine teure Profi Linse eine bessere Abbildungsleistung und Bildqualität bietet als ein Standard Kit-Objektiv sollte aber denke ich jedem bewusst sein. Das bedeutet aber nicht das man unbedingt ein teures Objektiv benötigt. Man kann mit jedem Objektiv Feuerwerk fotografieren. Worauf es ankommt ist die richtige Brennweite passend zum Standort. Ich selbst besitze fast ausschließlich Festbrennweiten. Doch für Feuerwerk nutze ich lieber ein Zoom Objektiv. Letztes Jahr war es das Canon 18-55mm f/3.5-5.6 Kit-Objektiv. Dieses Jahr werde ich das Canon 17-40mm f/4 nutzen. Natürlich sind auch Festbrennweiten sehr gut geeignet, wenn man seine Position nicht wechselt und die Brennweite passt ist das vielleicht sogar die bessere Wahl da die Abbildungsqualität von Festbrennweiten in der Regel besser ist als die von Zoom Objektiven. Ich persönlich bleibe jedoch lieber flexibel und nehme das angesprochene Zoom Objektiv.

Wie gesagt geht es mir hierbei hauptsächlich um die Verstellung der Brennweite. Und was das Objektiv auf jeden Fall noch bieten sollte, ist die Möglichkeit den eingebauten Stabilisator (falls vorhanden) auszustellen. Dasselbe gilt auch für den Autofokus.

  • Objektiv mit passender Brennweite zu gewählten Position wählen
  • Zoomobjektive machen dich flexibler
  • falls ein Bildstabilisator vorhanden ist sollte dieser deaktiviert werden können
  • Der Autofokus sollte auf manuell gestellt werden können

 

Stativ

Da wir nun die Kamera und das objektiv gewählt haben, schauen wir uns nun das Zubehör an. Was brauchen wir noch? Na klar, ein Stativ! Das Stativ ist im Idealfall ein 3-Bein Stativ mit festem Stand und von stabiler Bauweise. Davon gibt es unzählige Hersteller und Modelle. Welches du am Ende nutzt ist dir überlassen. Achte aber wie gesagt darauf das es Stabil steht und nicht bei jedem Windhauch gleich verwackelt. Falls du die Möglichkeit hast kannst du auch etwas an den Stativ-Haken hängen um dem ganzen mehr Stabilität zu geben.

Solltest du kein Stativ besitzen musst du dir jetzt aber nicht unbedingt eins kaufen, wenn du es sonst eh nicht benötigst. Schau dich vorher um an der Stelle wo du fotografieren möchtest. Vielleicht gibt es ja eine Stelle (eine Mauer oder so) auf der du die Kamera ruhig ablegen kannst ohne das sie beim Auslösen verwackelt.

 

Fernauslöser

Solltest du jetzt noch einen Fernauslöser haben bist du bestens ausgestattet um das Feuerwerk zu fotografieren. Ich bevorzuge Fernauslöser statt Kabelauslöser. Einfach wegen der Bewegungsfreiheit und der Verdunklungsgefahr. Welchen Hersteller und welches Modell du letztendlich benutzt ist egal. Im Grunde brauchst du nur einen Knopf mit dem du die Aufnahme startest/beendest, sprich die Kamera auslöst. Solltest du keine Fernauslöser haben nutze einfach die Selbstauslöser Funktion deiner Kamera.

 

 

Die Wahl der Position

Bei der Wahl der richtigen Position gibt es auch ein paar Dinge zu beachten. Zu aller erst einmal solltest du dir einen Platz suchen an dem du gute Sicht auf das Feuerwerk hast. Dazu ist es gut zu Wissen wo das Feuerwerk ungefähr sein wird. Viele gehen dazu auf eine freie Fläche wie eine große Wiese oder ähnliche großflächige Orte. Eine kleine Erhöhung bietet ebenfalls viele Vorteile.
Bedenke bei der Wahl deiner Position auch das du wahrscheinlich nicht der einzige sein wirst der zum Zeitpunkt des Feuerwerks da sein wird. Und in der heutigen Smartphone Generation werden wohl auch einige Arme mit gezückten Smartphones in die Luft gestreckt sein. Also wähle deine Position mit bedacht.

Ein weiterer Punkt den viele bei der Wahl der Position unterschätzen ist die Windrichtung. Ja, richtig! Die Windrichtung spielt ebenfalls eine Rolle. Feuerwerk erzeugt Rauch/Qualm der sich auch noch bei jeder weiteren Rakete und Explosion verdichtet. Solltest du jetzt eine eher unpassende Position zur Windrichtung gewählt haben kann es passieren das du statt brillanten Feuerwerksbildern nur mit  nebligen Bildern nach Hause gehst. Der Rauch/Qualm kann aber auch eine tolle Unterstützung für die Atmosphäre des Feuerwerks sein. Achte mal darauf sobald du deine Fotos machst.

 

Vorbereitung & Einstellungen

So, die Position ist gewählt, die Kamera, das objektiv und das Stativ ebenfalls. Also legen wir los. Wir bauen unser Stativ auf und achten dabei auf einen Festen Stand. Solltest du auf einer Brücke stehen such dir im Idealfall eine Stelle über einem der Brückenträger. Jede Brücke schwankt, auch wenn du selbst es nicht merkst und über den tragenden Brückenpfeilern sind die Schwankungen am geringsten. Achte auch auf Lose, wacklige Bodenplatten. Und natürlich solltest du auch nicht unbedingt mitten im Weg stehen. Wenn dort wo du dich hinstellst Durchgangsverkehr herrscht kann es zu Berührungen durch dritte kommen die dein Bild verwackeln können. Im schlimmsten Fall stolpert jemand über dein Stativ und du bist daran Schuld. Wenn dabei auch noch deine Kamera umfällt ist das Drama groß. Also gut Aufpassen wo und wie du dich positionierst.

Das Stativ steht, die Kamera samt Objektiv ist angebracht. Was jetzt? Jetzt geht es an die Einstellungen.

Schalte deine Kamera an und stelle folgende dinge ein:

Da wir von einem Stativ aus fotografieren benötigen wir keinen Bildstabilisator. Um ein verwackeln durch die Arbeit des Bildstabilisators zu vermeiden schalten wir diesen nun ab. Von einem Stativ aus benötigen wir keinen Bildstabilisator.
Wir richten unsere Kamera aus und suchen uns die gewünschte Brennweite.
Anschließend stellen wir nun den Fokus auf unendlich. Falls dein Objektiv keine Markierung für die Fokussierung auf Unendlich hat such dir einen etwas entfernteren Punkt aus und fokussiere diesen. Entweder tust du dies Manuell oder du nutzt den Autofokus. Sobald der Fokus sitzt wird der Autofokus jedoch ausgeschaltet und bleibt aus.
Wir wechseln in den Manuellen Modus der Kamera (M) und wählen eine Blende f/9 bis f/16. Dadurch erhalten wir eine gute Schärfentiefe und eine Verschlusszeit die lang genug ist um genug Feuerwerk auf das Bild zu bekommen.
Die Verschlusszeit stellen wir auf BULB um einfach flexibel in der Belichtungszeit zu bleiben. Für diejenigen unter euch die keinen Fernauslöser haben und mit Selbstauslöser direkt an der Kamera auslösen empfehle ich eine maximale Verschlusszeit von 30 Sekunden. Im BULB Modus müsstest du die Belichtung manuell durch erneutes drücken des Auslösers an der Kamera beenden wodurch das Bild verwackeln kann. In diesem Fall bitte die Blende und/oder gegebenenfalls die ISO anpassen falls nötig.
Jetzt aktiviere noch die Spiegelvorauslösung und/oder wechsle in den LiveView Modus um das Schwingen des Spiegels beim Auslösen zu verhindern. Auch das kann nämlich zu Verwacklungen im Bild führen.


Zusammengefasst:

  • Bildstabilisator aus
  • Autofokus aus
  • Brennweite wählen
  • Fokus auf unendlich stellen (oder einen entfernten Punkt suchen und diesen fokussieren)
  • in den M-Modus wechseln (Manueller Modus)
  • Blende f/9 bis f/16
  • Verschlusszeit auf BULB stellen (BULB Modus)
  • ISO auf 100
  • Spiegelvorauslösung aktivieren und/oder in den LiveView wechseln
  • Fernauslöser vorbereiten oder Selbstauslöser auf 2 Sekunden einstellen

 

Fotografieren

Die Kamera ist nun eingestellt und die ersten Bilder können gemacht werden. Endlich geht das Feuerwerk los und wir Lösen aus. Jetzt gibt es 2 unterschiedliche Fälle. Einige von euch haben einen Fernauslöser und schießen im BULB Modus. Andere haben keinen und fotografieren mit maximal 30 Sekunden Belichtungszeit.

Ohne Fernauslöser

Du fotografierst ohne Fernauslöser und solltest eine maximale Belichtungszeit von 30 Sekunden eingestellt haben. Sollten die Lichter in dieser Zeit ausfressen kannst du entweder die Belichtungszeit verkürzen oder die Blende weiter Schließen. Ich empfehle zweiteres. Je länger wir belichten um so mehr bekommen wir auf das Bild mit drauf. Sollten die Bilder jedoch zu Dunkel werden kannst du auch die Blende etwas öffnen. Bedenke bitte das du bei einer Verstellung der Blende auch erneut fokussieren musst.

Mit Fernauslöser

Du hast einen Fernauslöser und kannst ruhigen Gewissens in den BULB Modus gehen und dort die Belichtungszeit so lange lassen wie es dir gefällt. Du neben dem Feuerwerk noch was anderes im Bild hast wie zum Beispiel Gebäude oder andere Lichtquellen die ausbrennen können gebe ich dir hier jetzt einen kleinen Tipp. Natürlich kannst auch du mit der Belichtungszeit runter so das es passt. Doch wir wollen ja die Belichtungszeit länger halten um so viel vom Feuerwerk auf das Bild zu bekommen wie möglich. Deshalb nehme ich mir eine Schwarzen Hut oder etwas Ähnliches mit. Während der Verschluss jetzt offen ist kann ich zwischendurch mit dem Hut das Objektiv abdecken in der Zeit wo kein Feuerwerk am Himmel ist und die restlichen lichte nicht ausfressen zu lassen. Sobald das Feuerwerk wieder los geht, nehme ich den Hut weg und lasse wieder Licht auf den Sensor. Das mache ich so oft bis das Bild voll ist und wiederhole das ganze immer wieder.

 

In beiden Fällen kann man auch ein Bild ohne Feuerwerk aufnehmen in der die gesamte Umgebung korrekt ausgeleuchtet ist und dieses dann später mit einem Bildbearbeitungsprogramm wie Photoshop zusammen basteln. Auch eine Belichtungsreihe könnte man hier versuchen. Um hier genauere Informationen zu geben fehlt mir jedoch die Erfahrung. Es spricht jedoch nichts dagegen es mal auszuprobieren.

In der Regel kommen die klarsten Bilder direkt in den ersten Minuten nach Mitternacht zustande. Da ist der Himmel noch frei von Rauchwolken und Nebel. Ich würde versuchen in dieser Zeit die sicheren Varianten zu fotografieren und danach mit dem Testen von verschiedenen Einstellungen beginnen. So oder so wünsche ich euch allen viel Spaß beim Fotografieren und ich bin auf eure Ergebnisse gespannt. Und natürlich wünsche ich euch allen einen guten Rutsch ins neue Jahr. Vergesst vor lauter fotografieren das Feiern nicht.

Solltest du andere Erfahrungen gemacht haben und/oder noch weitere Tipps haben lass es mich und alle anderen Wissen. Jeder hilfreiche Tipp ist willkommen.

 

Und hier noch ein paar Feuerweksfotos zur Inspiration:

Mein Dank für die Bereitstellung der Bilder geht an dieser Stelle an Andys Fotomodus, Olioptic Photography, Mario Diener Photography und fototante.de. Vielen Dank!


Und hier gibt es das ganze noch mal als Video:

 

16 Antworten

  1. Andreas Schoch
    | Antworten

    Super Beschreibung Tolga wird für einige sehr hilfreich sein.

  2. Willi Stengel
    | Antworten

    Sehr gute Schilderung, ich versuch mit meinem Tokina 11-16 mm – auf 16 mm Brennweite eingestellt auf nem Hügel bei Karlsruhe den Jahreswechsel festzuhalten. Meine Bilder stelle ich dann bei FB rein

    • Tolga Tanik
      Tolga Tanik
      | Antworten

      Würde mich freuen wenn du dann einen Link zu den Bilder hier in die Kommentare Posten würdest damit ich und alle anderen deine Ergebnis betrachten können. Wünsche dir viel spaß und einen guten rutsch mit gut gelungenen Bilder.

      • Willi Stengel
        | Antworten

        Danke, wünsche das selbe, den Link teile ich gerne mit

  3. Willi Stengel
    | Antworten

    Mein erster Versuch das Schlussfeuerwerk der „Karlsruher Herbstmess“ zu fotografieren –
    ISO 800 / 10 Sekunden mit Canon 1200 D und Tokina 11-16 mm Objektiv auf Stativ. Ist bestimmt noch aufbaufähig

    https://www.facebook.com/Chilliggraphics/photos/pb.394574967403093.-2207520000.1450296509./415213928672530/?type=3&theater

    • Tolga Tanik
      Tolga Tanik
      | Antworten

      Oh ja das ist es leider. Wieso hast du denn die ISO auf 800? Und so ganz wackel frei ist das Bild leider auch nicht geworden. Woran lag es?

      • Willi Stengel
        | Antworten

        Das mit ISO 100 wusste ich zum damaligen Zwitpunkt noch nicht, und es herrschte ziemlich viel Wind, habe aber an Silvester als Gegengewicht nen mittelschweren Rucksack dabei, der ans Stativ dran kommt

  4. Klaus
    | Antworten

    super geschrieben. danke für die vielen tipps. einiges war mir noch nicht bewusst.

  5. greatif
    | Antworten

    Tolle Feuerwerks-Fotos hier aus Ffm! 🙂 Solche sind mir noch nicht gelungen. Wie Du erwähnst, spielt der Wind eine sehr, sehr wichtige – vllt. die wichtigste – Rolle…wenn die Windrichtung nicht zum Standort passt oder zu wenig Wind geht, hast Du max. 3 – 5 Sekunden am Anfang des Feuerwerks, dann werden Fotos durch den Rauch, der nicht fortgetragen wird, milchig. 😀

    • Tolga Tanik
      Tolga Tanik
      | Antworten

      Ich würde nicht sagen das es das wichtigste ist aber es spielt definitiv einebwichtige Rolle.

  6. […] Feuerwerk fotografieren an Silvester von Tolga Tanik […]

Kommentar verfassen

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.