Fotografie Grundlagen – Die Verschlusszeit/Belichtungszeit

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Was ist die Verschlusszeit/Belichtungszeit?

In der Fotografie ist die Verschlusszeit/Belichtungszeit eine der 3 Eckpfeiler für jedes Foto. Aber was genau ist die Verschlusszeit/Belichtungszeit eigentlich?

Der Verschluss ist ein Mechanismus, der sich in der Kamera befindet und den Sensor der Kamera verdeckt. Ein Bild entsteht durch das Licht, welches auf den Sensor trifft. Der Verschluss regelt, wie lange dieses Licht auf den Sensor kommt und ergibt so die Belichtungszeit.

Verschlusszeit und Belichtungszeit liefern zwar dasselbe Ergebnis, sind jedoch technisch gesehen per Definition nicht identisch.

Verschlusszeit bezeichnet die Zeit, während der die Kamera den Verschluss geöffnet hält. (Bezug auf den Verschluss)

Belichtungszeit bezeichnet die Zeit in der Licht auf den Sensor trifft und somit das Foto entsteht. (Bezug auf die Belichtung des Sensors)

Die Verschlusszeit beschreibt also streng genommen einen mechanischen Vorgang in der Kamera, wohingegen die Belichtungszeit ein Wert ist, der angibt wie lange ein Bild belichtet wurde. Streng genommen sind also Belichtungszeit und Verschlusszeit nicht identisch, werden jedoch im Alltag so genutzt. Da jedoch beide Werte in der Regel übereinstimmen, werden beide Begriffe im Alltag gleichbedeutend verwendet. Und so werde ich es auch hier in diesem Artikel handhaben. Egal ob ich Verschlusszeit oder Belichtungszeit schreibe, es ist dasselbe gemeint.

 

Verschlusszeit

Die Verschlusszeit wird in Sekunden bzw. Sekundenbruchteilen angegeben. Ein Wert von 1/200 (ein Zweihundertstel) bedeutet, dass der Verschluss 1 Sekunde geteilt durch 200 offen ist. Nur in diesem Bruchteil einer Sekunde trifft Licht auf den Sensor und das Bild entsteht. Je nachdem wie die aktuelle Lichtsituation vor Ort ist, verändert sich auch die Verschlusszeit. Wenn wir eine zu kurze Verschlusszeit wählen, wird das Bild zu dunkel, da die Zeit, in der die Kamera den Verschluss geöffnet hält nicht ausreicht, um genügend Licht auf den Sensor zu bringen. Hier spricht man von Unterbelichtung.
Im Gegenzug verhält es sich genau umgekehrt, wenn der Verschluss zu lange geöffnet ist. Dadurch bekommt der Sensor zu lange Licht ab und das Bild wird zu hell. Hier spricht man von Überbelichtung!
Es ist also wichtig, die richtige Verschlusszeit zu ermitteln, um das Bild korrekt zu Belichten!

 

Verschlusszeitenreihe

Die Werte der Verschlusszeit können manchmal etwas verwirrend sein. Gerade, wenn man schon länger aus der Schule raus ist oder generell nichts für Mathe und Brüche übrig hat, kann man da schon mal durcheinander kommen. Wie gesagt wird die Verschlusszeit in Sekunden bzw. Sekundenbruchteilen angegeben. Bleiben wir bei unserer Verschlusszeit von 1/200.Nehmen wir an, das wäre die Verschlusszeit für ein korrekt belichtetes Bild.  Plötzlichen ziehen die Wolken weiter und die Sonne kommt etwas stärker durch. Die Lichtsituation verändert sich. Um uns herum ist es plötzlich heller. Unsere Verschlusszeit von 1/200, die eben noch korrekt war, ist nun zu hell. Unser Bild ist jetzt überbelichtet. Um dem jetzt entgegen zu wirken, müssen wir die Verschlusszeit verkürzen. Und genau hier wird es für manche verwirrend. Eine kürzere Verschlusszeit wäre in diesem Fall nämlich 1/400. Ja, 400 ist größer als 200, sprich mehr. Da wir uns aber im Bruch befinden gibt ein größerer Wert eine kleinere Menge an. Klingt komisch, ist aber so. Das ganze wird deutlich, wenn wir kurz vom Bruch weg kommen und uns die Werte mal als Dezimalzahlen anschauen.

1/200 = 1:200 = 0,005 Sekunden

1/400 = 1:400 = 0,0025 Sekunden

Jetzt wird einem auch klar, das 1/400 eine kürzere Belichtungszeit ist als 1/200. Das kann Anfangs etwas kompliziert klingen, doch wenn man es einmal begriffen hat, ist es ganz einfach.

Es wird aber kurz noch mal etwas verwirrender. In der Kamera sieht man oft Werte wie 200 statt 1/200, was aber beides gleich und einfach nur platzsparender geschrieben ist. Beides entspricht ein Zweihundertstel Sekunde Belichtungszeit. Das „1/“ wird einfach weggelassen, um auf dem Display bzw. in der Sucheranzeige Platz zu sparen.

Jetzt nehmen wir mal an, wir möchten ein Bild machen mit einer Verschlusszeit von 1/30. Auf dem Display der Kamera würde also 30 stehen. Doch woher weiß man jetzt, dass man 1/30 belichtet und nicht 30 Sekunden? Tja, da hat sich irgendwann mal jemand etwas einfallen lassen. Und zwar werden alle Werte, die nicht im Bruchteil einer Sekunde sind, sprich ganze Zahlen mit einem “ gekennzeichnet.

Zum Beispiel:
30 = 1/30 = der Verschluss öffnet sich für 1 Sekunde geteilt durch 30, also für 0,033~ Sekunden

30″ = 30 = der Verschluss öffnet sich für 30 Sekunden

30 < 30″ = 30 ist also kleiner, sprich kurzer (Belichtungszeit) bzw. schneller (Verschlusszeit) als 30″.

Ich sagte ja, es kann schon sehr verwirrend sein. Doch bitte lass dich nicht abschrecken. Es ist wirklich total einfach, wenn man es erst mal verstanden hat.

Zur besseren Übersicht habe ich hier noch die Verschlusszeitenreihe für dich.

VSZ

30″

15″

8″

4″

2″

1″

1/2

1/4

1/8

1/15

1/30

1/60

1/125

1/250

1/500

1/1000

1/2000

1/4000

1/8000

Zwischenwerte sind möglich

Man erkennt auf den ersten Blick, dass die Verschlusszeitenreihe auf dem Faktor 2 basiert. Wenn man dann jedoch genau nachrechnet, wird klar, dass nicht bei jedem Schritt exakt mit dem Faktor 2 gerechnet wurde. Diese Abweichungen sind jedoch in der Praxis nicht bemerkbar.

Eine Verdoppelung der Belichtungszeit ergibt eine Blende mehr Licht. Bei 1/200 kommt also doppelt so viel Licht auf den Sensor wie bei 1/400. 30″ würde das Licht genau eine Blende heller machen als 15″. Wenn du dich jetzt fragst, wieso die Reihe bei 30″ Sekunden beginnt und ob man nicht länger belichten kann, muss ich sagen hast du gut aufgepasst. Die automatische Verschlusszeit ist bei 30″ Sekunden begrenzt. Alles was länger als 30 Sekunden geht, musst du manuell belichten. Das bedeutet, du drückst den Auslöser zum Starten der Belichtung. Der Verschluss öffnet sich und bleibt geöffnet, bis du wieder durch Drücken des Auslösers die Belichtung stoppst. Das nennt man den sogenannten Bulb Modus. Im Bulb Modus sind keine Verschlusszeiten im Bruchteil möglich, sondern nur ganze Sekunden. Die kürzeste Belichtungszeit im Bulb Modus ist demnach 1 Sekunde.

 

Bewegungsunschärfe

Jetzt wo du weißt, was die Verschlusszeit und ihre Aufgabe in Bezug auf das Licht ist, kommen wir zu einem weiteren wichtigen Punkt, der durch die Verschlusszeit geregelt wird. Nämlich der Bewegungsunschärfe.

Der Begriff Bewegungsunschärfe erklärt es eigentlich schon selbst. Es geht um die sichtbare Bewegung, die durch eine Unschärfe im Bild dargestellt wird.

Wir regeln, wie wir sich bewegende Motive (zum Beispiel Wolken, Wasser, Sportler etc.) fotografieren. Wenn wir zum Beispiel einen Springbrunnen oder einen laufenden Wasserhahn fotografieren wollen, können wir mit einer sehr kurzen Verschlusszeit wie zum Beispiel 1/1000s das Wasser im Bild einfrieren. Das heißt jetzt nicht, dass wir plötzlich Eis auf unserem Foto haben, sondern dass wir jeden einzelnen Tropfen erkennen können. Der Moment wird sozusagen eingefroren.
Wenn wir hingegen eine längere Verschlusszeit wählen wie zum Beispiel 5 Sekunden erhalten wir ein Bild in dem wir keine einzelnen Tropfen mehr erkennen können. Dafür ist das Wasser wunderbar weich und der Verlauf des Wassers ist schön zu sehen. Bei noch längeren Verschlusszeiten wie zum Beispiel 30 Sekunden aufwärts, wirkt das Wasser manchmal sogar schon fast wie Nebel. Dieser Effekt wird oft in der Landschaftsfotografie verwendet, um das Bild weicher zu machen und mehr Dramatik in die ziehenden Wolken zu bekommen. (Langzeitbelichtung)

Nicht jede Verschlusszeit kann man frei aus der Hand fotografieren. Warum? Ganz einfach, weil du dich auch bewegst, selbst wenn du der Meinung bist, dass du stillt stehst. Es gibt sogar eine Art Faustformel, die besagt welche Verschlusszeiten man ohne Hilfsmittel, wie zum Beispiel ein Stativ noch frei aus der Hand fotografieren kann. Das hängt nämlich vom verwendeten Objektiv, bzw. der Brennweite ab.

Die Faustformel besagt, dass man beim Fotografieren aus der Hand und Motiven, die sich kaum bis gar nicht bewegen, mindestens den Kehrwert der genutzten Brennweite wählen sollte. Das klingt kompliziert, ist es aber nicht. In der Praxis bedeutet das nur, dass man bei einer Brennweite von 50mm mindestens eine Verschlusszeit von 1/50s wählen sollte. Bei einer Brennweite von 200 dementsprechend eine Verschlusszeit von 1/200s. Wie gesagt handelt es sich hierbei nur um eine Faustregel, die zur Orientierung dient. Das ist kein festgeschriebenes Gesetz. Es gibt durchaus Leute, die auch längere Verschlusszeiten Freihand gut halten können. Auch der eingebaute Bildstabilisator spielt hier eine Rolle und verlängert die Verschlusszeit zusätzlich, die man noch frei aus der Hand fotografieren kann.
Bei längeren Verschlusszeiten (die man nicht aus der Hand wackelfrei fotografieren kann) sollte man ein Stativ benutzen oder zumindest die Kamera auf einer ruhigen Ebene ablegen.

 

Verschlusszeitenreihe und Bewegungsunschärfe auf einen Blick

 

In der Porträtfotografie nutzt man in der Regel eher kürzere Verschlusszeiten um scharfe, wackelfreie Bilder zu erhalten.

f/4.0, 1/80 s, ISO 100

 

In der Natur hingegen bekommt man das Wasser in Flüssen schön glatt und weich durch eine längere Verschlusszeit.

f/9.0, 20″ s, ISO 100

 

Auch Wasserfälle werden schön weich und schon fast nebelartig durch eine längere Verschlusszeit.

f/9.0, 2″ s, ISO 100

 

Nicht zu vergessen, dass man auch sehr viel Dramatik in ziehende Wolken am Himmel bekommt

f/11.0, 60″ s, ISO 100

 

So, jetzt hast du schon eine ganze Menge gelernt zum Thema Verschlusszeit/Belichtungszeit. Du kannst stolz auf dich sein. Und damit du den Überblick nicht verlierst, hier noch mal zusammen gefasst was du heute gelernt hast.

  • der Verschluss ist in der Kamera
  • die Verschlusszeit ist nicht identisch zur Belichtungszeit
  • die Verschlusszeit regelt wie lange Licht auf den Sensor fällt (Belichtungszeit)
  • kurze Verschlusszeit = eingefrorenes Motiv (Porträt, Wassertropfen)
  • lange Verschlusszeit = Bewegungsunschärfe (Wasser, Wolken etc.)
  • Verschlusszeitenreihe Faktor 2
  • Verdoppelung/Halbierung der Verschlusszeit bedeutet Verdoppelung/Halbierung des Lichtes um eine Blende
  • die Verschlusszeit wird in Sekunden bzw. Sekundenbruchteilen angegeben

 

So weit, so gut. Ich hoffe, du hast alles verstanden und konntest einiges lernen. Solltest du noch irgend etwas unklar sein oder du sonst noch Fragen hast, kannst du sie gerne hier in die Kommentare schreiben. Ich habe auch eine Facebookgruppe für die Grundlagen der Fotografie. Dort kannst du ebenfalls deine Fragen stellen. Ich und auch die anderen Mitglieder der Gruppe stehen dir dort ebenfalls zur Seite.

Hier geht es zur Facebook Gruppe FOTOGRAFIE GRUNDLAGEN – Anfänger & Fortgeschrittene

Und falls du dich auch für die Bildbearbeitung interessierst habe ich hier noch eine weitere Facebook Gruppe für dich: DIGITALE BILDBEARBEITUNG – Anfänger & Fortgeschrittene

 

P.S.: Mein besonderer Dank geht an dieser Stelle an meinen guten und hilfsbereiten Fotofreund Mario Diener für das Korrekturlesen dieses Artikels. Vielen Dank mein Bester!

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